Musik - Wie es sich angehört hat, zur Zeit anhört und warum.
Als ich anfing, selbst Musik zu machen, war es vor allem der amerikanische Rock´n Roll der fünfziger Jahre, der mich in seinen Bann geschlagen hatte. Die Einflüsse aus der Zeit kann man in "Who killed Alex?" sehr gut hören. Im Lauf der Jahre wanderte ich von Rock´n Roll und Rockabilly zu Blues und Bluesrock und entdeckte schliesslich die Soul-Musik der 60er Jahre: Leute wie Steve Cropper, Sam and Dave, Ottis Redding oder Wilson Pickett und vieles mehr.
Schliesslich entdeckte ich meine Liebe zum Reggae, spielte Hardrock und wollte der schnellste und verrückteste Gitarrist werden, den die Welt je gesehen hatte. Meine Reise fand eine jähe Unterbrechung als ich, nachdem ich jahrelang Tonnen von Effektpedalen verwendet habe, um meinen Sound zu formen, auf einer einfachen Gitarre spielte und keinen vernünftigen Ton aus ihr herausbrachte. Ich gab sie dem Besitzer mit dem Worten "Die klingt nicht" zurück und er meinte nur: "Ich weiss nicht, was Du hast". Dann spielte er auf ihr und es klang fantastisch. In den nächsten Tagen entsorgte ich meinen ganzen Effekt-Krempel und begann, mit einer Telecaster und einem kleinen 15Watt-Röhrenverstärker zu spielen. Ich saß im Keller und spielte die einfachsten Tonfolgen, die man sich vorstellen kann, fest entschlossen, erst wieder "rauszukommen", wenn ich es wieder schaffen würde, die Töne zum Klingen zu bringen, ohne dass mir irgendein elektronisches Spielzeug dabei unter die Arme griff (und alles verfälschte).
Schliesslich war dies geschafft und ich stiess auf die amerikanische Country-Musik. Es war der Beginn einer neuen Reise, die nie wirklich aufgehört hat und durch meine Auftritte in Nashville, TN und die Lektionen, die ich dort gelernt habe, noch aufregender wurde. Vor allem, als ich Merle Travis und Chet Atkins entdeckte. Aus "Das kann niemand spielen" wurde (mit Hilfe einer erfahrener Leute aus Nashville) "Das kann ich schaffen" und als ich zum ersten Mal den Canonball Rag spielte, ein Stück, dass ich früher für unspielbar hielt (und viele Leute bis heute), wusste ich, dass ich alles schaffen kann. Die Reise wird nie enden aber mein kleiner Zug ist seit meiner Zeit in Nashville schneller unterwegs, als je zuvor. Ich bin sehr froh darüber und geniesse jede Station auf der Reise.
Zu meinen bisherigen Veröffentlichungen:
"Like an eagle" - 1997, Single, vergriffen.
Der Song entstand spontan, als ich mein erstes Studio einrichtete, alles angeschlossen hatte und mir wirklich zu Bewußtsein kam, wie frei ich ab sofort war, meine eigene Musik zu gestalten. Klassischer Hardrock mit einem Solo, dass an die alten Van Halen Zeiten erinnert. Eingesungen hat es mein alter Kumpel Jürgen Kaderka.
"Journey through Visions" - Album, 1998, vergriffen.
Ich hatte ein paar Instrumental-Titel aufgenommen und als verschiedene Leute dann Sachen wie "Wenn ich das höre, sehe ich ein Bild von.....", kam mir die Idee, bewusst etwas in dieser Richtung zu machen. Musik, die Bilder und Emotionen hervorrufen sollte. Das Album begann mit Digderidoo und "fernen" Trommelwirbeln und führte den Hörer von der australischen Steppe, über den Regenwald bis hin zum Herzschlag einer Großstadt bei Nacht. Die Aufnahmen entstanden mit den primitivsten Mitteln, die heute kein Anfänger mehr anfassen würde aber ich bin nach wie vor sehr stolz auf das Album.
"Dance the night away" - Single, 1998, vergriffen.
Nachdem mir alle sagten, dass ich etwas kommerzielleres machen sollte, habe ich mich doch tatsächlich auf die Tanzfläche begeben und einen Rapper und eine Sängerin mit Musik verbunden, die nach achtziger Jahren Pop klang und teilweise "visionäre" Klangbilder in sich trug, die ich noch aus "Journey through Visions" in der Schublade hatte. Die Mischung war gut, stiess aber auf Ablehnung, wozu auch beitrag, dass die 80ér Jahre eben vorbei waren und es zu altmodisch klang. Ein paar Jahre später haben die Leute, die mich deswegen abgelehnt haben, andere Künstler unter Vertrag genommen und groß für ihren "80er Jahre Sound" geworben. Ich war wohl zur falschen Zeit dran und der große Dance-Guru war ich ohnehin nie. Das können andere viel besser.
"Let me in" - Album, 2007, Restbestände noch bei diversen Plattenläden und Amazon verfügbar.
Auf "Let me in" ging ich nach langer Pause zurück zu meinen Wurzeln und schuf eine wilde Mixtur aus Rockabilly, Hardrock, Country und einigem mehr. Irgendwie schaffte ich es, all diese Stile unter einen Hut zu bringen und das Resultat kam sehr gut an. "Who killed Alex?" wurde No1 in den Rockcharts bei Broadjam und plötzlich lief ich in einigen Ländern, inkl. USA, im Radio. Die Albumbesprechungen waren durchweg positiv und es hagelte Vergleiche mit Bob Dylan, Tom Petty, Mark Knopfler, Gary Moore, Eric Clapton und schliesslich kam es zu "The german Johnny Cash". Ein Titel, den ich seitdem von verschiedenen Leuten zu hören bekam. "Let me in" wurde weltweit von 2400 Plattenhändlern gelistet, beförderte mich zurück in die Existenz als Berufskünstler und verschaffte mir eine Reihe grossartiger Auftritte in den USA. Was für eine wundervolle Zeit!
Die Plattenindustrie reagierte auf das Album zwar positiv und anerkennend, meinte aber übereinstimmend, dass es für einen Künstler aus Bayern zu amerikanisch klingen würde und die Musik ausserdem eher "alte Menschen über 20" ansprechen würde. Als in Nashville eine grosse Hilfsaktion für Lorna Flowers, die mir vor Ort sehr geholfen hatte, gestartet wurde, weil sie Krebs aber keine Krankenversicherung hatte, stellte ich die Stücke zum kostenlosen Download zur Verfügung und bat die Leute, das Geld auf das Spendenkonto zu überweisen, dass extra für Lorna in Nashville eingerichtet wurde.
"Michigan Avenue" - Album, 2008, vergriffen
Mein erster Besuch in Nashville hatte mich tief aufgewühlt und Prozesse in Bewegung gesetzt, die mir erst später wirklich klar wurden. Noch während des Rückflugs fing ich an, neue Stücke zu schreiben und ein paar Monate später war das Album draussen. In musikalischer Hinsicht spannte "Michigan Avenue" einen weiten Bogen. Es begann mit einem dramatischen Orchesterstück, ging mit "30 years of tears" in eine Talking Blues/Country-Nummer über, gefolgt von "Girl from the northeast", in der meine Einflüsse aus dem 60er Jahre Soul zu hören waren, "Angel of Nashville" hatte ich für eine Freundin aus Nashville geschrieben, in "Bring me some water" liess ich Latin-Einflüsse erklingen, "Blue Water" war astreiner Delta Blues, der "Crazy Country Hopper" Bluegrass, "Der wahre Superstar" ein Seitenhieb auf Casting-Shows und Jugendwahn in der Musikindustrie, gefolgt von zwei Live-Aufnahmen, bevor das Album mit "In the highlands, Part I" endete. Einem ruhigen Stück, dass ich auf der Mandoline einspielte. Nach dem dramatischem Intro des Albums mit Pauken und Cellis liess ich es mit ein paar Tönen auf der Mandoline ausklingen.
Witzigerweise wurde das Album als Gesamtes gerne kritisiert: "Zu viel Abwechslung", während die einzelnen Stücke es teilweise weit brachten. "Bring me some water" wurde in einer US-Kochsendung verwendet, der "Crazy Country Hopper" brachte mich als einzigen Nicht-Amerikaner in die Bluegrasse Top10 bei Broadjam, USA und "Angel of Nashville" brachte mich unter die Finalisten eines Songwriter Wettbewers in Nashville, an dem eigentlich nur Amerikaner teilnehmen durften aber man machte für mich eine Ausnahme. "Blue Water" schliesslich verschaffte mir eine Buchung als Komponist für ein Musical, dass aber dann leider der Wirtschaftskrise zum Opfer fiel. Ansonsten würde ich wohl kaum mehr Platz zum Schlafen haben, weil alle Zimmer mit Gitarren vollgestellt wären ;-)
"Going down for one last time" - Album, 2009, nie erschienen.
Das Album sollte 2009 erscheinen und war, im Gegensatz zu "Michigan Avenue" nicht mehr von stilistischer Vielfalt geprägt, sondern zeichnete sich durch eine düstere Atmosphäre aus. Die Stücke handelten von Verlust, Scheitern und Menschen, die sich aus ihrer persönlichen Hölle befreien. Mit Sicherheit das Düsterste, was ich jemals gemacht habe, was auch der Grund war, dass ich es schliesslich stoppte.
Ich denke, ich hatte noch nie so viel Tiefgang in meiner Musik wie hier aber das Album hat mich fertig gemacht. Als ich bei einem gemeinsamen Konzert mit einer Freundin aus den USA einen Song aus dem Album live spielte, sah sie mich anschliessend entsetzt an und meinte nur: "Mein Gott ist das traurig. Der Song tut
weh". Möglicherweise wird das Album irgendwann doch noch kommen aber gerade in 2010 hat der Tod in meinem Umfeld so oft zugeschlagen, dass ich dieses Album momentan einfach nicht machen kann.
Fazit:
Man kann sagen, ich habe in der traditionellen amerikanischen Musik mein Zuhause gefunden und dass ich gerade von dort so viel Anerkennung und Zustimmung bekomme, bedeutet mir sehr viel. "The german Johnny Cash" hat nichts damit zu tun, dass ich schwarze Klamotten trage, sondern bezieht sich auf Inhalte, Aufrichtigkeit und die Liebe zu dem, was ich tue. Ich trage den Titel mit Stolz, auch wenn ich weiss, dass es keinen zweiten Johnny Cash geben wird. Ich bin damit zufrieden, Fred Guggenberger zu sein. Und der ist noch lange nicht weg vom Fenster...
Singer/Songwriter Composer Solo-Artist
Guitarplayer Pianoplayer Producer
Stage and Studio
